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Unter Hippies auf La Gomera

Einer der tatsächlich schönsten Orte, an denen ich je war, ist die Finca Argayall auf La Gomera. Diese Insel verbinden viele gleich mit Hippies und Aussteigern. Und sie haben so recht.

2007 war ich das erste Mal dort als Gast. Es sollte eine kleine Auszeit sein vom Alltag. Damals kannte ich nicht viele alternative Menschen, war gerade 27 Jahre alt und arbeitet auf der Nachbarinsel Teneriffa beim Radio. Für mich war diese Begegnung etwas völlig Neues aber auch sehr prägend.

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Meine Freundin Teresa und ich bezogen also unser Quartier. Wir hatten ein Zelt gebucht. Es war eine tolle Unterkunft. Ein Zelt mit Holzboden und Kommoden. Fantastisch! Ich war damals gerade ein halbes Jahr Vegetarierin und überwältigt von dem Angebot an fleischlosen Speisen dort. Ich bin keine gute Köchin und mein Veggiemenü bestand meist aus Nudeln mit Tomatensoße oder Kartoffeln mit Erbsen. Woran wir uns aber bis heute erinnern, ist der grüne Tee. Es war Sommer, es war heiß, wir lagen in der Sonne am Meer und konnten nicht aufhören diesen heißen grünen Tee zu trinken. Was zum Teufel war da drin? Wie kann ein grüner Tee nur derart gut schmecken? Wir mussten immer wieder zurück laufen um nach zu schenken. Bis heute habe ich diesen Geschmack nicht vergessen und niemals wieder habe ich ihn irgendwo gefunden. Vermutlich war es gar kein grüner Tee.

30 Jahre alternatives Leben

Dieser Ort, und damit übertreibe ich wirklich nicht, ist etwas besonders. Das Licht auf La Gomera ist anders als auf den anderen Inseln. Die  Menschen sowieso. Besonders die Menschen der Finca Argayall. Vor 30 Jahren hatte man die Idee eine Gemeinschaft zu gründen, die eine alternative Lebensform bietet. Der Garten ist nach dem Permakulturprinzip angeordnet. Das heißt ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiges Wirtschaften mit allen Ressourcen. Avocados, Bananen, Mangos, Papayas und Maracujas, aber auch  Salate und Gemüse kommen aus eigenem Anbau auf den Tisch.

25 liebe Menschen leben im Schnitt in der Gemeinschaft. Sie sind herzlich und bemüht. Man kann als Besucher Yoga, Meditation und allerhand Massagen bekommen. Teresa und ich hatten nicht viel auf dem Programm. Entspannen und die Insel kennenlernen, das stand bei uns auf dem Plan. Heute würde mein Tagesablauf wohl anders aussehen. Viel Yoga und noch mehr Meditation. Aber das erschien mir damals nicht als das Wichtigste. Und vielleicht blieb mir auch deshalb dieser Ort auf so magische Art und Weise in ewiger Erinnerung. Als ein Ort, an den ich unbedingt wieder zurück kehren möchte. Den atemberaubensten Sternenhimmel in meinem Leben habe ich dort  gesehen. Soviele Sterne, wie niemals zuvor oder jemals danach.

Hier geht´s zur Finca

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Hexenschreie in der Nacht

Unsere Nächte waren, abgesehen von dem grandiosen Sternenhimmel, dennoch etwas gewöhnungsbedürftig. Über unser Zelt liefen ständig irgendwelche größeren Tiere. Wir wussten nicht, was es war, waren aber auch zu ängstlich um nachzuschauen. Weiber! Schließlich waren da noch diese Schreie. Ja! Tatsächlich Schreie. Wer einmal etwas nördlicher auf La Gomera im Nationalpark gewesen ist, der hat sie sicher gesehen – die Hexenplätze.

Die Laguna Grande im Parque Nacional de Garajonay ist tagsüber mit ihrem Kinderspielplatz und den Grillstellen ein beliebtes Ausflugsziel. Doch nachts sollte mal die Lichtung meiden, warnen die Einheimischen. Denn dort treffen sich die Hexen. Meistens zu Vollmond. Der Steinkreis in der Mitte der Lichtung symbolisiert diese Geschichte. Doch was hat es mit den Schreien auf sich? Einer alten Sage nach, stammen diese Schreie, die jede Nacht zu hören sind, von den Seelen der Hexen, die einst verbrannt worden sind. Was für eine gruselige Vorstellung. Offiziell soll es allerdings ein Vogel sein. Der Gelbschnabel-Sturmtaucher. Doch wer weiß das schon so genau? Man hört ihn ja nur nachts….

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Ein sehr schönes Ritual ist jeden Abend zum Sonnenuntergang in Valle Gran Rey am Playa Inglés zu sehen. Mit afrikanischen Trommeln wird die Sonne verabschiedet. Ein unglaubliches Bild, wenn sie ins Meer eintaucht. Die Menschen tanzen und singen. Wer wissen möchte, wie sich ein Aussteigerleben anfühlen kann, der sollte auf diese faszinierende Insel kommen. Viele Deutsche trifft man hier. Jeder mit seiner eigenen Geschichte.