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Schamanisches Schwitzen in Berlin

Zeremonielles Schwitzen ist so alt wie die Menschheit selbst. Es gehört zu den schönsten Ritualen der Heilung und Reinigung. Ich hatte bereits das zweite Mal die Ehre Gast in einer schamanischen Schwitzhütte zu sein. Im Osten von Berlin, ganz idyllisch in der Nähe eines Sumpfgebietes, habe ich mich in die Hände von Mutter Erde begeben, um Heilung zu erfahren.

Die meisten Schwitzhütten, die man in Europa besuchen kann, sind vom Stamm der Lakota aus Nordamerika. Die Hütte, oder auch auf Lakota „Inipi“ genannt, wird aus Weidenstäben oder Haselnussruten errichtet. Die Stäbe steckt man in Erdlöcher. Sie sind in Bögen angeordnet und durch vier Ringe kuppelförmig miteinander verbunden. Die Kuppel soll an Mutter Erde erinnern, an den Bauch einer liegenden Schwangeren. In der Mitte der Hütte wird ein Loch ausgehoben. Da kommen später die heißen Steine rein. 32 Stück auf vier Runden verteilt. Die ausgehobene Erde häuft man neben dem Eingang zu einem „Altar“ auf. Dort legt man vor Betreten der Hütte seine Opfergaben ab. Das kann Schmuck, Obst, Nüsse oder ähnliches sein.

IMG_1117Bevor es los geht, werden die Steine ins Feuer gelegt, damit sie heiß werden. Die Steine stehen für unsere Großväter und Großmütter, unsere Ahnen. Durch sie erfahren wir Heilung. Während die Steine im Feuer liegen und alle Teilnehmer Tabak in die linke Hand nehmen, muss sich jeder überlegen, warum er heute hier ist. Was sind seine Wünsche oder Gebete. Wir streuen den Tabak über das Feuer und die Steine und segnen sie damit. Mögen unsere Wünsche erhört.

Die Schwitzhütte wird dann mit vielen Planen und Decken abgedeckt, so dass am Ende kein einziger Lichtstrahl mehr durchdringen kann. Wir werden während der Zeremonie in absoluter Dunkelheit sitzen.

IMG_1122Nun ist es soweit. Wir krabbeln in die Hütte. Jack, unser Schamane ruft zuerst die Frauen, dann dürfen die Männer hinein. Es ist eng, sehr eng und da wir unter einer Kuppel hocken, ist aufrechtes Sitzen nicht möglich. 28 Menschen schwitzen jetzt zusammen. Die nächsten Stunden werden anstrengend. Nachdem die ersten glühenden Steine gebracht wurden, wird die Hütte mit Decken verschlossen. Jack singt indianische Lieder von Medizinmännern während er 40 Mal Wasser auf die heißen Steine kippt. Die Hitze ist kaum auszuhalten. In der ersten Runde, der Vergebensrunde, sollen wir Menschen verzeihen, die uns verletzt haben. Leise sprechen alle vor sich hin, wem sie vergeben. Eine Frau neben mir beginnt laut zu Schluchzen, auch mir rollen die Tränen. Die erste Runde ist sehr emotional. Nach weiteren Gesängen, wo sich jeder mit einbringen kann, endet die erste Runde und die Luke geht wieder auf. Es wird die „heilige Pfeife“ gereicht. Man zieht daran, betet für sich und andere und gibt sie weiter.

Runde zwei beginnt. Weitere acht glühende Steine werden gebracht. Es duftet nach Kräutern. Sie schmoren auf den heißen Steinen. Nun sind die Geister da, die Jack mit seinen schamanischen Liedern gerufen hat. All unsere Ängste und Sorgen sollen wir nun loslassen. Wieder kippt Jack Wasser auf die Steine, alles stöhnt. Es ist verdammt heiß. Ich fühl mich gerade sehr wohl, trotz Hitze und Enge oder gerade deswegen? Wieder singen alle. Mit Rasseln und indianischen Trommeln fällt mir Loslassen nicht schwer. Eine Frau flötet auf einer Indianerflöte. Ich habe nicht mehr das Gefühl in Berlin zu sein. Es ist herrlich.

IMG_1111Nach der zweiten Runde dürfen wir endlich etwas trinken. Wasser wird gereicht, erst ein Schluck auf die heißen Steine, dann selbst trinken. Als Gabe eben, an Mutter Erde. Ich bin froh, kurz aus der Hütte kriechen zu können. Die meisten bleiben jedoch sitzen –  im Bauch von Mutter Erde. Aber mein Rücken schmerzt durch das krumme Sitzen und meine Beine sind eingeschlafen.

Die dritte Runde beginnt mit acht weiteren glühenden Steinen. Es ist die Heilungsrunde. Wir bitten unsere Ahnen uns zu heilen und bitten auch um die Heilung unserer Brüder und Schwestern. Wieder fließt viel Schweiß und wieder kann dadurch viel Schlechtes aus unserem Körper und Geist fließen. Es ist erstaunlich, aber durch die Hitze ist mein Verstand komplett außer Kraft gesetzt für eine kurze Zeit. Es fühlt sich sehr meditativ an. Zum ersten Mal seit Langem spüre ich meine Intuition wieder.

Die vierte und letzte Runde dient den Wünschen. Was wünschst du dir? Was wünschst du anderen? Jack sagt, „sei vorsichtig, bei dem, was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen“. Das klingt zwar einerseits komisch, weil man sich selbst ja nichts schlechtes wünschen würde. Aber in seinen Worten ist viel Wahrheit. Ich hatte mir bei meinem ersten Schwitzhüttenbesuch, ein halbes Jahr zuvor, etwas gewünscht, was tatsächlich eingetreten ist. Leider nicht so, wie erwartet und auf sehr schmerzhafte Art und Weise. Heute bin ich dankbar für die Erfahrung. Ich musste sie machen. Meine Wünsche habe ich jetzt anders formuliert.

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Ich krieche ein letztes Mal aus der Hütte. Die vierte Runde ist vorbei. Alle werden umarmt und wir bedanken uns, dass sie dabei waren. Ich spüre viel Liebe um mich herum. Ich habe wieder wertvolle Menschen kennengelernt, die das eine oder andere in mir ausgelöst haben. Sei es durch eine Umarmung danach oder durch weise Worte.

Das Ziel der Schwitzhütte ist eine Art Wiedergeburt. Die Verbindung zu Mutter Erde soll wieder hergestellt werden und sie soll von Krankheit, Schmerzen und seelischem Ballast befreien.

Ich bin glücklich und dankbar.

Aho.

Comments: 2

  1. Felix says:

    Hört sich nach einer sehr intensiven Erfahrung an.
    Eine gute Idee, das möchte ich auch ein mal ausprobieren.
    Finde gut das du dein Ding machst, weiter so. :)

    lg

    • katja says:

      Ich danke dir lieber Felix