Kann ein Luxushotel nachhaltig sein?

Ich bin zugegebener Maßen kein wirklicher Hotelfan. Als Camperin bevorzuge ich das einfache Leben – das in der Natur. Das empfinde ich als authentisch und nachhaltiger als Bettenburgen. Doch vielleicht täusche ich mich und es gibt Hotels, die nachhaltig sind. Die eben doch auch an die Natur und ihren eigenen C0² Ausstoß denken. Deshalb war ich letztes Wochenende im 4 Sterne Berghotel Rehlegg in Ramsau zu Gast.

Mitten in den Bergen gelegen, ist die Anreise natürlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht ganz einfach, aber machbar. Für alle, die mit dem eigenen Auto kommen, tröstet der Gedanke, dass sie zu mindestens während ihres Aufenthalts keinen C0² Fußabdruck hinterlassen. Denn das Berghotel ist das erste Hotel in Oberbayern, welches nicht nur klimaneutral ist, sondern sogar mehr Kohlenstoffdioxid bindet als es ausstößt. Also tatsächlich klimapositiv.

Nachhaltige Solarthermie heizt die Bäder

Durch die hoteleigene Photovoltaik-Anlage und zwei energieeffiziente Blockheizkraftwerke können sie 370.000 Kilowattstunden Strom im Jahr selbst produzieren. Das deckt rund 70 Prozent des Bedarfs ab. Der Rest kommt ausschließlich aus der Wasserkraft des Inns. Auch die Wärmeproduktion ist nachhaltiger als woanders. Auf dem Hoteldach stehen zwei Solarthermie-Anlagen, die nicht nur das Hallen- und das Freibad beheizen, sondern auch einen Großteil des Warmwasserbedarfs. Wir hatten den Luxus einen Jacuzzi auf der Terrasse gehabt zu haben und konnten ihn ohne ein schlechtes Gewissen genießen. Übrigens wird hier natürlich kein Chlor sondern Ozon ins Wasser gemischt. Was sehr viel umweltfreundlicher und hautverträglich ist.

Zwei elementare Bereiche zum Thema Nachhaltigkeit sind für mich, nach wie vor, das Essen und woher es kommt und die Art der Reinigung. Und auch hier übernimmt das Hotel Verantwortung. Lieber verzichtet es komplett auf das BIO-Siegel und kauft in der Region bei Kleinbauern, wo sie die Tiere kennen als dass sie Bioware von einem Betrieb aus dem Ausland kaufen und nicht kontrollieren können, wie ökologisch es wirklich ist.

Schweine im Sommer auf der Alm

Hoteldirektor Franz Lichtmannegger war früher Vegetarier, weil ihm die Tiere leid taten. Er wollte nicht mehr zulassen, dass wegen ihm Tiere gequält werden. Seitdem er sieht, wie gut es den Tieren geht, die er für das Hotel einkauft, nimmt er es nicht mehr ganz so genau mit dem Fleischverzicht. Sogar eine alte, fast ausgestorbene Schweinerasse gibt es dank dem Hotel noch. Vor zwei Jahren haben sie das schwarze Alpenschwein nach Bayern zurückgeholt. Früher stand es den ganzen Sommer auf der Alm. Doch neue Auflagen machen das nun schwierig. Gras und Sonne bekommen die kleinen Rüsselnasen trotzdem genug, denn sie dürfen jeden Tag ins Freie und nach Herzenslust toben. Ihren Freunden aus der Masttierhaltung bleibt dieses Vergnügen ein Leben lang versagt.

nachhaltig Luxushotel

Was mir immer Bauchweh machte bei diversen Hotelbesuchen, war die enorme Wasserverschwendung durch das tägliche Wechseln der Handtücher, beispielsweise, und die Verwendung von zu viel Chemikalien beim Reinigen der Zimmer. Auch hierzu haben sie sich Gedanken gemacht. Zwar ist am Ende noch jeder Gast selbst verantwortlich wie oft er frische Handtücher braucht. Ich halte es locker eine Woche aus. Aber wenigstens die Reinigung passiert am Ende umweltfreundlich, denn das Hotel putzt mit effektiven Mikroorganismen (EM).  Diese sind abwasserfreundlich und grundwasserneutral. Außerdem sammelt sich wesentlich langsamer Staub auf den Oberflächen an.

Zum richtigen Wellnessurlaub gehört mindestens ein Sauna- oder / und ein SPA – Aufenthalt. Die Pflegeprodukte, die dort verwendet werden, sind ausschließlich hochwertige Naturprodukte. Das Hotel hat sogar eine eigene Pflegelinie, die „Rehlegger Kräuterfee“. Die Zutaten dafür stammen überwiegend aus der naturbelassenen Bergwiese hinterm Hotel mit fast 70 verschiedenen Pflanzen. Die Verpackungen dazu sind recycelt oder aus voll recyclingfähigem Material.

Fazit:

Für mich persönlich hätte der Saunabereich etwas größer sein können, dafür gerne eine von fünf Saunen weniger. Man steht sich ziemlich oft im Weg rum und es war ein ziemliches Gewusel vor dem Saunafenster. Auch den Weg zu den Ruheräumen empfand ich anfangs etwas weit. Wobei die Räume an sich wirklich sehr süß eingerichtet sind und wirklich zum entspannen einladen. Das Abendessen, was sensationell lecker war, hätte auch gerne länger als 20 Uhr gehen können. Ich, als Fan der südländischen Essenszeiten, mache mir da erstmal Gedanken über das Abendmahl. Aber wie du liest, ist das „Jammern auf allerhöchstem Niveau“ und die Angestellten sollen ja schließlich auch irgendwann mal Feierabend haben. Und früh zu Bett gehen, ist für den Körper und die Umwelt ebenso nachhaltig.

Es geht also doch! Luxus kann nachhaltig sein! Ich freue mich, dass es offenbar immer mehr Menschen gibt, denen die Natur und das Leben der Tiere nicht egal ist. Die eben nicht auf „Teufel komm raus“ Profit machen wollen, sondern lieber Geld investieren, damit es auch ein Morgen geben kann.

Ich kann das Berghotel Rehlegg in Ramsau mit seinem unfassbar freundlichen Personal wärmstens empfehlen.