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Wie mich meine Indienreise veränderte

Als ich vor einem Jahr durch einen Buchladen stöberte, fand ich einen Reiseführer, der auf zwei Euro runter gesetzt war. Indien stand drauf. Hm, dachte ich… warum nicht mal Indien? In Europa habe ich nahezu alles schon mit meinem VW-Bus bereist, aber Asien, soweit kam ich noch nicht. Ich kaufte das Buch und kurz darauf unsere Tickets.

Da Indien groß ist und die Herbstferien meiner Tochter begrenzt waren, wusste ich: viel reisen im Land werden wir wahrscheinlich nicht. Ich plante also einen entspannten Urlaub in einem Resort am Meer mit Wellnessbehandlungen und kleinen Ausflügen.

Es ging nach Varkala, im Süden Indiens. Daniela, eine Deutsche hat dort ein traumhaftes Grundstück Om India Om. Von der Dachterrasse kann man den Sonnenuntergang im arabischen Meer sehen.

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Ankunft in Trivandrum

Wir kommen 3 Uhr morgens in Trivandrum an. Es ist sehr schwül und trotz der Uhrzeit ist wahnsinnig viel los. Daniela hatte uns einen Fahrer geschickt. Der stand mit dem coolsten Auto da. Einem Ambassador. Ein nagelneuer Oldtimer sozusagen, denn Indiens Kultauto wurde bis vor Kurzem unverändert nach dem über 50 Jahre alten Original produziert. Jetzt wird er leider nicht mehr hergestellt. Sehr schade! Mir, als Oldtimerfan, hat er super gefallen. Fast zwei Stunden ging es dann im Taxi vom Flughafen nach Varkala – mitten in der Nacht. Der Geruch des Landes war das erste, was mir auffiel. Es roch nach Verbranntem. Wie, wenn einem die Kupplung abschmiert – diese Erfahrung musste ich leider bei meinem VW Bus machen – mitten am Berg! Owei! Diesen Geruch jedenfalls werde ich nie vergessen und so ähnlich roch es, die kompletten 2 Stunden. Im weiteren Verlauf meiner Reise habe ich gesehen, dass die Inder ihren Müll vor dem Haus verbrennen. Eine Müllentsorgung, wie wir sie kennen, gibt es dort nicht. Also müssen sie es selbst loswerden. Wenn also alle Inder ihren Müll vor dem Haus verbrennen, wie soll es da schon riechen?!

Ich hatte ja schon einiges über den Verkehr in Indien gehört, aber unser Taxifahrer wollte offensichtlich uns Guinnessbuch der Rekorde. Er raste, als wäre hinter uns ein Tsunami. Unsere Übermüdung nach 15 Stunden Flug wirkten allerdings wie Lachgas und wir amüsierten uns über die Fahrweise, die so ganz anders war, als wir sie kannten. Einspurige Straßen werden zu vier Spuren. Egal, klappt schon irgendwie da vorbei zu kommen. Am besten man schaut nicht hin. Und Hupen muss man immer. Wenn man hinter jemanden fährt, wenn man ihn überholt, wenn man vorbei ist, wenn man abbiegen will, vor einer Kurve, in einer Kurve, nach einer Kurve, weil da ist dann sicher wieder jemand, den man überholen will. Es war irre!

Wer nicht handelt, der zahlt ein Vermögen

Direkt am Cliff von Varkala haben unzählige Inder ihre Geschäfte mit eigentlich immer den selben Sachen. Hier muss man handeln, und zwar richtig. Der letzte Preis ist immer der, der dir hinter gerufen wird, wenn du den Laden eigentlich schon verlassen willst. Ich musste viel Lehrgeld zahlen, um zu wissen, wie es läuft. Aber man bekommt hier viele schöne Sachen. Nicht umsonst sagt man, man fliegt mit leeren Koffern nach Indien und mit vollen zurück.

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Im Ashram der umarmenden Mutter Amma

Unser erster Ausflug ging in einen Ashram. Ich weiß nicht genau, was ich mir bis dato unter einem Ashram vorgestellt hatte, aber es war komplett anders. „Amma“, die umarmende Mutter, die auch in Deutschland recht bekannt ist, hat ihren Ashram in Kollam. Fünf Hochhäuser stehen an der arabischen See,  eines davon hat 17 Stockwerke. 3.000 Bewohner sollen dort leben, als wir da sind. Alleinstehende, Familien, Paare. Wir haben Glück, kurz vor ihrer Europa Tour ist Amma in ihrem Ashram. Und nicht nur das. Sie gibt auch noch Darshan (Umarmung). Dafür ist sie bekannt. Amma ist ein weiblicher Guru und sie soll bis heute über 30 Millionen Umarmungen geschenkt haben.

20161005_145313Wir freuen uns, dass unser Weg sich doppelt lohnt und stellen uns an, um, wie viele Hundert andere auch, eine Umarmung zu bekommen. Es ist Mittag und man sagte uns, gegen Mitternacht wären wir dran. Oh, dachte ich. Unser Fahrer wollte gegen 16 Uhr zurück sein. Wir sagen, dass wir aus Europa kommen und heute Nachmittag wieder abreisen müssten. Wir sollen gegen 15 Uhr noch einmal kommen. Das klingt schon besser. Um die Zeit zu nutzen, stellen wir uns zum Essen an. Erst später bemerkten wir, dass wir in der einheimischen Schlange an standen und ebenso wie sie mit den Händen essen mussten. Besteck gab es nicht. Auf der anderen Seite standen die Europäer und Amerikaner und sie durften mit Messer und Gabel essen. Nie mit der linken Hand essen, denke ich, als ich den Reis versuche mit den Fingern zum Mund zu führen. Die linke Hand ist die „Po-Hand“. Wir werden die ganze Zeit gemustert von den Einheimischen, vielleicht, weil wir auf der falschen Seite sitzen, vielleicht auch weil es einfach zu komisch aussieht, wie wir versuchen mit den Fingern zu essen.

Danach spült man die Metallschüssel unter kaltem Wasser ab und gibt sie dem nächsten, der für Essen ansteht. Wie setzten uns in den großen Saal und sahen auf einer Leinwand wie Amma auf der Bühne schon seit Stunden einen nach dem anderen umarmte. Menschen aus aller Welt sind gekommen. Es herrscht eine magische Stimmung. Irgendwann sind wir an der Reihe. Tatsächlich konnten wir sehr viel früher auf die Bühne. Viele hatten Obstschalen oder Blumenketten als Gaben mit. Alles landete irgendwo auf einem Haufen hinter der Amma. Als wir in unmittelbarer Nähe sitzen, wird uns ein Taschentuch gereicht, wir sollen uns vorher das Gesicht abwischen. Ammas weißer Umhang hat schon den einen oder anderen Fleck, Make-up, Schweiß…. Das bleibt wohl nicht aus. Daher leuchtet es mir ein, mein Gesicht zu säubern. Ich komme mit einer Deutschen ins Gespräch, die für Amma seit ein paar Monaten arbeitet. Sie war sichtlich fasziniert von ihrem Guru. „Je näher du ihr kommst, desto mehr spürst du ihre Heiligkeit. Lass es einfach auf dich wirken“, gab sie mir als Tipp. Als wir nun an der Reihe waren, mussten wir uns kniender Weise zu ihr fortbewegen. Wir wurden gefragt aus welchem Land wir kommen. Dann geht´s schon los. Amma drückt ihr Gesicht an meine rechte Gesichtshälfte und flüstert: „Meine Liebe, meine Liebe, meine Liebe“. Dann ist alles vorbei und wir werden von der Bühne gebeten. Ein wenig spiritueller hatte ich mir die Begegnung zwar schon vorgestellt, aber bei den Massen an Menschen ist das wohl schwierig.

Die Rückfahrt war recht ruhig. Wir mussten erst mal alle Eindrücke verarbeiten und Gedanken machten sich breit, warum sie als Guru so derart gehypt würde. Ich hatte nicht viel im Vorfeld über sie recherchiert, um unbefangen zu sein. Doch, was ich später im Netz zu lesen bekam, war oft ziemlich negativ. So soll sie ihre Angestellten schlagen und immer wieder Wutausbrüche haben. Tatsächlich habe ich ihr Gesicht bei der stundenlangen Beobachtung auf der Leinwand sehr selten als gutmütig sondern oft als genervt wahr genommen. Ich möchte aber gar keine Wertung abgeben. Wir wurden nett behandelt, mit Essen versorgt und durften sogar viel früher als normal auf die Bühne zum Darshan. Es war eine einzigartige und nachhaltige Erfahrung einen Tag im Ashram eines berühmten Guru gewesen zu sein.

 Stand up Paddeln in den Backwaters

IMG-20161007-WA0043Ein wahnsinnig tolles Erlebnis war unser Stand up Paddle Ausflug in die Backwaters. Die Backwaters umfassen 29 größere Seen und Lagunen, 44 Flüsse sowie insgesamt rund 1.500 Kilometer lange Kanäle und natürliche Wasserstraßen. Sie erstrecken sich von Kochi im Norden bis Kollam im Süden. Hier und da sind uns Fischer auf ihren Booten begegnet. Drei Stunden waren wir unterwegs und haben sogar einen wunderschönen Sonnenuntergang gesehen. Es war wahnsinnig meditativ.

Plastik wohin man schaut

Ich weiß, dass es in Südindien sehr viel „aufgeräumter“, nicht so ärmlich und gebildeter ist. Nahezu jeder kann hier lesen und wirkliche Armut, wie im Norden des Landes habe ich hier nicht gesehen. Trotz allem war ich schockiert, wie ignorant man hier mit der Umwelt umgeht. Diese wunderschönen Strände sind komplett zugemüllt. Ich möchte nicht wissen, wie es im Meer aussieht. Es hat mich so traurig gemacht, dass offenbar keiner der Einheimischen Interesse daran hat seine Heimat zu erhalten.

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Zwei Wochen waren viel zu kurz, denn ehrlich gesagt, bin ich glaub ich nicht mal wirklich angekommen in meinem Urlaub. Ich habe viel gesehen, konnte davon aber gar nicht viel aufnehmen. Ich hatte leider keine Zeit dieses Land wirklich auf mich wirken zu lassen. Und dennoch hat sich mein Leben seitdem komplett verändert.

Aus Indien kehrte eine Minimalistin zurück

Ich habe vieles danach in Frage gestellt. Mein Leben, meine Berufung, besonders aber den Umweltaspekt. Was kann ich tun, damit ich meinen ökologischen Fußabdruck auf dieser Erde so gering wie möglich halten kann. Jeder Deutsche produziert im Jahr über 600 Kilogramm Plastikmüll. 600 Kilo! Das ist doch Wahnsinn.

Ich habe angefangen mein Waschpulver selbst herzustellen -> Kastanien als Waschmittel.

In meinem Bad bin ich auf Minimalismustour gegangen und lasse viele Körperpflegeprodukte weg bzw. ersetze sie durch Ökologische -> Warum-ich-meine-Haare-nicht-mehr-wasche

Jeder kann einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass es weniger Plastikmüll auf dieser Welt gibt.

Ich habe einen kleinen Urlaubstrailer gemacht über unsere kurze Zeit in Indien. Schau mal rein.

Minimalistische (Körperpflege)-Packliste für Indien:

Ein sehr amüsante Indienlektüre (abgesehen von Eat, Pray, Love), ist dieses Buch. Der Flug ist lang und das Buch sehr erheiternd.